Die Bautrocknung ist ein nicht zu unterschätzender Faktor zu Verhinderung von Folgeschäden

Während der Bauphase werden beachtliche Mengen Wasser durch Putz, Estrich und Mauerarbeiten in den Neubau eingebracht. Des weiteren ist der Rohbau der Witterung ausgesetzt solange er nicht geschlossen ist.

schimmel
Ein Backstein kann bis zu 60% seines eigenen Volumens Wasser speichern. Beton benötigt unter natürlichen Voraussetzungen zur Trocknung 480-800 Tage. Ein Ziegelmauerwerk trocknet erst nach 120 – 360 Tagen von selber aus.

Oftmals treten nach kurzer Zeit Schimmelpilze und feuchte Stellen auf, welche während der Bauphase vom Maler überarbeitet wurden.

Aber auch ein nur generell zu feucht übergebener Neubau ohne schwere Durchfeuchtungen birgt die Gefahr von schweren Folgeschäden: Hinter frisch aufgehängten Gardinen, Bilderrahmen oder Schrankwänden und Möbelgarnituren bildet sich bei wohnlichen Zimmertemperaturen sehr schnell der Schimmelpilz.

Schäden an Baustoffen

  • Mineralische Baustoffe
  • Anhydrit-Estrich
  • Zementestrich
  • mineralische Dämmstoffen
  • Betonböden und Sichtbetonwänden
  • Steinböden, Klinker, Mamor, Naturstein
  • Zementputze, Kalkputze
  • Gipsputze
  • Holz
    • Spanplatten
    • Parkett
    • Holzfußleisten
    • Vertäfelungen
    • Holztürrahmen
    • Holzmöbel
    • Holzbalkenkonstruktionen

3. Sonstiges

  • Hohlwände mit Gipskartonbeplankung
  • Fermacell-Platten

Anhydrit-Estrich
Anhydrit – Estriche neigt nach 2-4 Wochen Dauerfeuchtigkeit zum Verfall, und sind dann nicht mehr zu sanieren. Mit der Trocknung muss unverzüglich begonnen werden solange die Festigkeit noch vorhanden ist und keine Zersetzung eingesetzt hat. Nach dieser Frist wird der Anhydritestrich weich und unbrauchbar und muss ersetzt werden.

Zementestrich
Zementestriche sind relativ feuchteresistent. Durch die unter dem Estrich vorhandene Feuchtigkeit können weitere kostspielige Folgeschäden an der Dämmung und im Bereich der Wände entstehen. Wenn die Feuchtigkeit längere Zeit unter dem Estrich steht, macht sich dieses durch Modergeruch bemerkbar. Daraus resultierend können sich Schimmelpilze bilden. Nach ca. 6 Monaten beginnt das Wasser an zu faulen und eine starke Geruchsbelästigung tritt auf. In den Wandbereichen muss aufgrund der Aufsteigenden Feuchtigkeit der Putz abgeschlagen werden. Nach einer Trocknung ist der Estrich wieder voll funktionsfähig. Evtl. Risse können problemlos mit EP-Harzen vergossen werden.

mineralische Dämmstoffen
Durch die Feuchteeinwirkung fallen mineralische Dämmstoffe nach Stärke des Materials bereits innerhalb weniger Tage bis Wochen zusammen und verlieren in der Folge Ihre ursprünglichen Dämm- und Isolationseigenschaften. Deshalb sollte nach einem Wasserschaden schnellstens mit der technischen Trocknung der Dämmschichten und des Estriches begonnen werden.

Betonböden und Sichtbetonwänden
Aufgrund ihres Kapilargefüges nehmen diese Baustoffe nicht viel Feuchtigkeit auf. Eine Trocknung ist nur dann sinnvoll, wenn Gips, – oder andere nicht feuchtigkeitsverträgliche Putze aufgebracht werden sollen.

Steinböden, Klinker, Mamor, Naturstein
Steinböden, Klinker, Mamor, Naturstein etc. können in aller Regel erhalten werden. Es können sich jedoch bei Mamor und Travertin nach zu langer Feuchtigkeitseinwirkung aufgrund aufsteigender Feuchtigkeit verschiedene Kalksubstanzen und Säuren lösen und zu Ausblühungen, Zersetzungen und Verfärbungen im Naturstein führt. Des weiteren sind verschiedene Bindemittel, welche im Kleber enthalten sind auf längere Dauer nicht wasserbeständig und in der Folge lösen sich mit der Zeit die Platten vom Estrich. Durch eine rechtzeitige künstliche Trocknung können in vielen Fällen kostspielige Folgeschäden vermieden werden Verfärbungen sowie mineralische Ausblühungen an der Oberfläche währen der Trocknungsphase können durch den Einsatz von Vakuumverdichtern vermieden werden.

Zementputze, Kalkputze
Kalk- und Zementputze sind relativ feuchtigkeitsresistent. Nach erfolgter Trocknung sind diese in aller Regel wieder voll nutzbar. Eckschienen aus Metall und evtl. Nägel im Putz müssen entfernt werden, da diese nach längerer Feuchtigkeit Rostbildung zeigen. Evtl. anfallende weise Ausblühungen sind Salze und können abgebürstet oder mit spezieller Bauchemie behandelt werden.

Gipsputze
Gipsputze neigen bei Feuchtigkeit zu Verfärbung und Schimmelbildung. Gipsputz wird bei längerer Feuchtigkeit schmierig und muss entfernt werden. Gerade im Neubaubereich tritt dieses Problem oftmals bei Wasserschäden auf. Der Estrich und die darunter liegende Dämmschicht ist durchnässt und die Feuchtigkeit zieht Kapilar in den Wänden hoch.

Holz

Spanplatten, OSB-Platten
Die im Wohnungsbau Platten(Span-OSB) sind in aller Regel nicht wasserfest. Diese Bodenplatten werden mit Nut und Feder verlegt. In diesen Bereichen sind die Platten nicht versiegelt und somit nicht gegen Wasser geschützt. Bei einem Feuchtigkeitsschaden dringt das Wasser in diesen Bereichen ein. Selbst eine sofort eingeleitete Trocknung kann dieses nicht immer verhindern Die Platten gehen an den Nähten auf. Diese Mängel lassen sich in den seltesten Fällen durch Schleifen oder Spachteln beheben. Bei länger einwirkender Feuchtigkeit quellen die Platten auf der ganzen Fläche auf und können vom Untergrund abreissen. Bodenbeläge wie z.B. Teppich oder Kunststoffbeläge müssen entfernt werden da starkes Schimmelwachstum einsetzten kann.

Hölzer und Holzkonstruktionen
Hölzer leisten dem Wasser praktisch keine Gegenwehr. Jedes Holz wächst und quillt durch Einfluss von hoher Luftfeuchtigkeit und Wasser. Durch die längere Einwirkung von Feuchte entsteht Pilzwachstum jeglicher Art. Angefangen von normalem Schimmelpilzwachstum, über Blättlinge bis hin zum holzzerstörendem echten Hausschwamm. Die Deformationen, Verfärbungen und Zersetzungen sind endgültig, das Holz kehrt nicht in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Die Hölzer sind nur durch handwerkliche Bearbeitung wieder in einen nutzbaren Zustand zu versetzen. Defektes und zerstörtes Holz muss herausgeschnitten und ersetzt, geschüsseltes Holz heruntergedrückt und geschliffen, verfärbte Hölzer neu lasiert werden.

Parkett
Stäbchenparkett ist sehr empfindlich gegen Wasser. Die schmalen Stäbe sind an den Seiten offen und unbehandelt, die Versiegelung ist nur oberflächlich. Zieht Feuchtigkeit in diese Fugen, so quillt der Stab innerhalb von wenigen Stunden. Dort löst sich das verklebte Parkett vom Estrich und kann nur noch entsorgt werden. Weniger beschädigte Flächen, deren Verklebung noch intakt ist, müssen neu geschliffen werden. Ist Parkett im Fischgrätenverbund verlegt und fest auf dem Estrich verklebt, so kann es zwar nach einem Wasserschaden auf dem Untergrund haften bleiben. In jedem Falle wird es aber in eine oder zwei Richtungen stark wachsen. Wenn das Parkett schwimmend verlegt ist, dann wird es ebenfalls stark schüsseln und wachsen, vom Boden abheben und sich an manchen Stellen bis zu 50-60 cm sich hoch auftürmen. Vielfach verfärbt sich das Holz unterhalb der Versiegelung dunkel oder es wächst Schimmelpilz im Holz.

Fertigparkett ist in der Regel schwimmend auf einer Isolierschicht verlegt. Das Parkett wird an den Trennfugen Wasser ziehen und der sehr dünne, edle Parkettbelag wird sich vom Trägerholz abheben. Obwohl dieses Parkett gut zu trocknen ist, ist es häufig aus optischen Gründen nicht mehr zu verwenden. Es wird dann vor der Trocknung des Estriches zu entscheiden sein, ob es zu retten ist oder entfernt werden soll

Holzböden aus Fichtenholz oder ältere Pitch-Pine-Böden die auf Nut und Feder verlegt sind, wachsen nach einem Wasserschaden in die Längs- und Querrichtung. In der Längsrichtung gestossene Hölzer weisen später Fugen von einigen Millimetern auf. In der schmalen Querrichtung kommt es zur Schüsselung an Nut und Feder. Ebenfalls in Querrichtung können sich mehrere Bretter auftürmen und von der Balkenlage ablösen.
Bodenbeläge sind auf jeden Fall vor der Trocknung zu entfernen

Holzfußleisten
Scheuerleisten aus Holz wachsen und quellen auf. Die Farbe blättert ab. Auf der Rückseite des Holzes wird es durch die Tapete und den Putz dauerhaft befeuchtet. Es kommt unweigerlich zu schwerem Schimmelpilzbefall, der über lange Zeit unbemerkt bleibt, bis der Pilz an der Tapete und im Putz hochwächst. Fußleisten sollten in jedem Falle abgeschraubt oder abgerissen werden, da eine Trocknung des Mauerwerks hinter der Fußleiste nicht durchführbar ist

Vertäfelungen
Holzvertäfelungen an Decken und Wänden verkraften durch Ihre Konstruktion (auf z.B. Konterlattung) einen Wasserschaden relativ gut. Das Wasser läuft nur an den Brettern entlang. Nur diese quellen meist in geringem Maße auf . Auf der ganzen Breite der Vertäfelung heben sich oft nur zwei bis drei Bretter ab, die zu ersetzen sind. Schimmelpilzbildung auf dem Holz ist relativ selten, Die Hohlräume sind nach längerer Feuchtigkeit auf Schimmelpilz zu untersuchen.

Holztürrahmen
Alte Türrahmen sind in aller Regel aus Massivholz. Bei Feuchtigkeit wachsen Füllholz und Rahmenholz auf Grund ihrer unterschiedlichen Schichtstärke in verschiedene Richtungen.
Nach der Trocknung auftauchende Risse oder Fugen können durch Spachteln und lackieren behoben werden.
Neue Türrahmen aus Spanplatte mit Pressholz saugen an der offenen Bodenseite das Wasser auf und quellen stark. Das Furnier wird hochgedrückt. Der Rahmen kann auch nach einer Trocknung nur noch ersetzt werden. Er lässt sich zwar gut trocknen, jedoch ist die optische Beeinträchtigung nicht zu reparieren. Die Tür verzieht sich und lässt sich oftmals nicht mehr schliessen

Holzmöbel
Möbel aus Vollholz lassen sich häufig retten und restaurieren. Andere Möbel aus Spanplatten oder mit Furnieren quellen zu stark auf und werden durch die Feuchtigkeit unbrauchbar.

Holzbalkenkonstruktionen
Holzbalken können gut Wasser aufnehmen, sind jedoch auf Grund ihrer Durchmesser relativ stabil und verdrehen oder deformieren sich sehr selten. Im Bereich von Holzkassettendecken mit Schüttung besteht die Gefahr von Schimmelbildung. Um dieses zu vermeiden ist eine technische Trocknung unvermeidbar.

ALLE ANGABEN OHNE GEWÄHR UND OHNE ANSPRUCH AUF VOLLSTÄNDIGKEIT
LASSEN SIE ALLE VON IHNEN GEPLANTE MAßNAHMEN VON EINEM FACHMANN KONTROLLIEREN
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